Tief in den undurchdringlichen Wäldern der ostwestfälischen Hochebene liegt das malerische Städtchen Tiefenbach. Fernab jeglicher störender Einflüsse durch die Fesseln konventioneller politischer Richtungen, geben sich die Einheimischen dort ihrer Lieblingsbeschäftigung hin, dem Leben. Tiefenbach ist eine Stadt mit Tradition. Die ersten Zeichen menschlicher Siedlungsgeschichte weisen auf die Jungsteinzeit hin, wie erst kürzlich entdeckte Höhlenmalereien beweisen.
Urkundlich erwähnt wurde Tiefenbach, welches damals noch den Namen »Hohenniederwasserbachlauf« trug, im Jahre 1242. Der Name des Ortes rührt von einem Bach her, der sich tief, sehr tief in das Erdreich gegraben hatte, der aber trotzdem beständig Niedrigwasser führte. Im besagten Jahr 1242 begab es sich, dass der finstere Raubritter Kasimir von Knutendresch den Fürsten Isidor zu Hohenniederwasserbachlauf um seine Burg, sein Gold und sein Eheweib zu erleichtern gedachte.
Leider war das Jahr 1242 ein sehr regnerisches Jahr und das Bächlein war bis zum Ufer mit Wasser gefüllt, so dass die eigentliche Tiefe gar nicht auszumachen war. Die Burg schon fest im Blick, spornte der gar üble Raubritter seine Mannen an, den vermeintlich kurzen Weg durch das still vor sich hin plätschernde Bachbett zu beschreiten. Mutig ritt Kasimir an der Spitze seiner räuberischen Spießgesellen und verschwand mit einem leisen Blubb im idyllischen, wenn auch viele Meter tiefen Bach.
Rödelgund, des Raubritters alter Waffenmeister stutzte und versuchte mit einer Lanze nach seinem Herrn zu stochern, doch er erreichte den Grund des Baches nicht. Also band er eine zweite Lanze an die erste, dann eine dritte, eine vierte... und als er seinen Herrn immer noch nicht erreichte, entfuhr im ein erstauntes »Uff, wat 'nen tiefen Bach!«.
Anschließend zuckte er kurz mit den Schultern, warf die Lanzen ins Wasser und bat kurzerhand um Einbürgerung, weil er gerade arbeitslos geworden war und sowieso nichts besseres vor hatte.
Die Hohenniederwasserbachlaufer dagegen zeigten sich tief beeindruckt vom redegewandten Waffenmeister und benannten ihren Ort spontan in Tiefenbach um.Fürst Isidor von Hohenniederwasserbachlauf nahm den alten Waffenmeister in seine Dienste auf und für Tiefenbach begann eine glanzvolle Zeit der Reformation und der Aufklärung.