Seit jeher sind die Tiefenbacher die kleinen Meister der Improvisation.
Da gab es zum Beispiel eine Begebenheit zur Zeit der Inquisition. Damals zog der Erzbischof von Köln gen Tiefenbach, weil die Bewohner sich standhaft weigerten, der Kirche Steuern und Abgaben in irgendeiner Form zu zahlen. Auf dem Weg nach Tiefenbach befand sich zur gleichen Zeit auch ein Ochsenkarren mit einer großen, bronzenen Glocke, welche von einem Paderborner Glockengießer für das Tiefenbacher Gotteshaus gefertigt wurde.
Die beiden Fuhrleute Ludwig Gutfluch und Heinrich Steinschuss bemerkten das herannahen des Kirchenfürsten hintersich und weil sie nicht in seine Fänge geraten wollten, stellten sie das Gerüst zum Abladen der Glocke auf, zogen per Seilzug (Hebfix' Bester Nr.12 ? Kauft Seilzüge von Hebfix, nichts hebt fixer!) die Glocke hoch und ließen sie dort hängen. Dann machten sie sich mitsamt ihrem Ochsenkarren in die Büsche und wollten dort den Durchzug des Kirchenbonzen abwarten.
Der Erzbischof sah jedoch die Glocke und beschloss, sie wäre ein passendes Mitbringsel für seine Kölner Residenz. So stellte sich der Bischof direkt unter die Glocke und wies seiner Schar einige Handgriffe an, den kostbaren Schatz zu bergen. Er bekam nicht mit, wie es in den nahen Büschen zur wahrscheinlich längsten und folgenreichsten Unterhaltung zwischen den beiden Fuhrleuten kam:
Heinrich:
»Ei Ludwig, wat mookt der do?«Ludwig:
»Ei Heinrich, hei klüüt onse Glock.«Heinrich:
»Ei Ludwig, wat mook wi nu?«Ludwig:
»Ei Heinrich, lat uns Stiine smooten!«Heinrich:
»Ei Ludwig, dann mook wie dat.«
Und so fingen die beiden an, aus dem Schutz der Büsche heraus mit Steinen nach dem Bischof zu werfen. Aber die Distanz war so groß, dass irgendwie die Glocke einfacher zu treffen war, als der Erzbischof. Und so verlor dieser zuerst sein Gehör und dann die Besinnung. Schließlich traf Heinrich Steinschuss versehentlich den Seilzug Nummer 12 und die Glocke fiel auf den Würdenträger, dessen Gesundheit dadurch nachhaltig litt.
Heinrich Steinschuss und Ludwig Gutfluch suchten allerdings mit ihrem Ochsenkarren das Weite und erreichten nach einer Stunde fluchend das rettende Tiefenbach.
Am Stadttor wurden sie schon sehnlichst vom Zimmerer erwartet, der die Glocke schnellstens anbringen wollte, sowie von Fürst Hadranor von Hohenniederwasserbachlauf, einem Abkömmling des alten Isidor, der mit der stattlichen Zahl von 6 Soldaten den Bischof in die Irre führen wollte.
Und der Zimmerer fragte sofort:
Zimmerer:
»Ja Heinrich, wo is onse Glock?«Heinrich:
»De Glock is fott.«Zimmerer:
»Ja wie isse denn fott?«Heinrich:
»De hat de Kirchenbonz klüüt.«Jetzt schaltete sich der Fürst ein.
Hadranor:
»Was denn, der Erzbischof hat unsere Glocke geklaut?«Heinrich:
»Ah jo, de hat onse Glock klüüt.«Hadranor:
»Und wo ist der Erzbischof jetzt? Wann wird er hier sein?«Heinrich:
»Ei, de Bischop kimmt net.«Hadranor:
»Heinrich, sag, warum kommt er nicht?«Feixend mischte sich Ludwig Gutfluch ein:
»Ei, de Bonz hat wat op de Glock kriecht.«Und Heinrich ergänzte:
»...jo, de Bonz hat voll wat op de Twelf bekumm.«Hadranor:
»Ja aber wo ist der Bischof jetzt?«Heinrich:
»Hei lücht unner onse Glock.«Hadronor:
»Und was macht er da?«Heinrich:
»Ei, wat soll de mache? Mich deucht de Bonz geit doot.«
Man kann den Tiefenbachern ja viel nachsagen, aber Mörder sind sie nicht. Und so machten sich Fürst Hadranor und seine Mannen auf, um nach dem Erzbischof zu sehen. Sie fanden ihn tatsächlich unter der Glocke liegend, die sich glücklicherweise nur über ihn gestülpt hatte, statt ihn zu erschlagen. Allerdings hatte er den Klöppel an den Kopf bekommen, was ihm nicht nur eine gigantische Beule brachte, sondern ihn oben drauf auch noch das Gedächtnis einbüßen ließ.
Die Tiefenbacher wären nicht Tiefenbacher, wenn sie nicht schnell einen Plan entwickelt hätten. Sie fällten einen Baum und legten ihn über den Weg. Anschließend verluden sie die Glocke mit viel Mühe wieder auf dem Ochsenkarren, setzten den Erzbischof auf den Kutschbock und erzählten ihm, er wäre ein Fuhrmann auf dem Weg nach Rom, um dem Papst eine Glocke als Geschenk der Tiefenbacher zu überbringen. Dabei sei er wohl vom Bock gestürzt, als sein Ochse versucht habe, ein auf dem Weg liegendes Hindernis zu überspringen.
Sie zeigten dem Erzbischof dann noch den Weg nach Rom, indem sie nach Osten wiesen und ließen den verwirrten Mann ziehen.
Gerüchten zu Folge soll sich der russische Zar ein Jahr später sehr über die Glocke gefreut haben, als sie vom Erzbischof in St.Petersburg abgeliefert wurde.