Dass die Tiefenbacher ein aufgeschlossenes und völlig unkompliziertes Volk sind, hat sich in der Vergangenheit ja oft gezeigt. Aus diesem Grund zeigen sich die Tiefenbacher auch immer hocherfreut darüber, wenn ein findiger und hoffnungsvoller Politologe sich im Städtchen einfindet, um den Tiefenbachern die neueste politische Ausrichtung zu präsentieren.
Über Jahrhunderte hinweg vertrauten die Tiefenbacher ihrem Fürstengeschlecht, derer von Hohenniederwasserbachlauf (Besucher der letzten Lesung erinnern sich vielleicht noch an den kühnen Isidor und den pfiffigen Hadranor). Aber wie in allen Adelsgeschlechtern Europas, machte sich auch im Hause Hohenniederwasserbachlauf nach einigen hundert Jahren bemerkbar, dass das ständige Heiraten von Cousins und Cousinen sich durchaus negativ auf die geistige Gesundheit auswirken kann.
Dienstag, 24. August 2010
Wenn Politik den tiefen Bach runter geht
in Historisches
um
17:15
Und so geschah es eines Tages, dass der letzte Spross dieses alten Adelsgeschlechts, Adalbert, vom Volk auch Adi die Weichbirne genannt, auf die Idee kam, dem ständig wachsenden Kutschverkehr in Tiefenbach dadurch Einhalt zu gebieten, indem er die Stadt untertunneln wollte und die Straßen dadurch zu entlasten gedachte. Im Prinzip wäre Weichbirne Adi der Erfinder der ersten U-Bahn gewesen, wenn er nicht beim Durchbruch des Tunnels den tiefen Bach angebohrt hätte, von dem Tiefenbach ja bekanntlich seinen Namen hat.
Also bekam er bei der Besichtigung des Durchbruchs zunächst nasse Füße, dann feuchte Augen und schließlich einen Nervenzusammenbruch, bevor er ertrank. Seine letzten Worte waren:
»Mich deucht, den Abfluss hätte ich vielleicht doch nicht einsparen sollen.«
Und so fand der zweite Adelige, nach dem kühnen Raubritter Kasimir von Knutendresch, im tiefen Bach sein feuchtes Grab.
Die Tiefenbacher standen allerdings jetzt vor einem Problem: sie hatten keine Regierung mehr, denn der gute Adi war nicht nur strohdoof, sondern zudem auch noch so hässlich, dass ihn nicht einmal eine seiner Cousinen zum Mann nehmen wollte. In aller Eile beriefen die Tiefenbacher eine Bürgerversammlung ein, in der über das zukünftige Wohl der Stadt und über eine mögliche neue Regierung verhandelt werden sollte.
Eine Vereinigung mit einem der angrenzenden Fürstentümer oder Königshäuser kam schon mal nicht in Frage. Schließlich hörte man von durchreisendem Volk genug über die hohen Steuern und die unflexiblen Herren anderer Reiche, die ihrem Volk teilweise sogar das Lesen und Schreiben untersagten.
Also beschlossen die Tiefenbacher, dass sie selbst etwas herumprobieren müssten, um verschiedenste Regierungsformen anzutesten. Außerdem legten sie das erste Tiefenbacher Stadtgesetz fest, nach dem nur ein gebürtiger Tiefenbacher das Oberhaupt der Stadt sein dürfte.
Als erstes probierten die Tiefenbacher ein System, welches die Forscher der Fakultät für theoretisierte Geschichte an der Freigemauerten Universität Tiefenbach in alten germanischen Aufzeichnungen fanden: das System des Ältestenrats. Nach den Überlieferungen wurde ein Rat aus den 10 ältesten Männern der Stadt gegründet, die dann gemeinsam über das Wohl der Stadt entscheiden sollten. Aber dieses System wies bereits nach kurzer Zeit markante Fehler auf.
Häufig traten die Ältesten für wichtige Entscheidungen zusammen und diskutierten Stunden und Tage lang über das für und wieder, bis sie irgendwann feststellten, dass sie in Früher war alles besser-Feststellungen abgeschweift waren und schließlich nach Tagen vor die voll Spannung wartenden Bürger traten um zu erklären:
»Ähm, könnte uns bitte jemand sagen, worum es ging? Wir haben es irgendwie vergessen.«
Tja, auch im alten Tiefenbach war die Demenz schon ein echtes Problem
Aber auch das teilweise extrem hohe Alter selbst erwies sich als tückisch. Tiefenbacher sind hartnäckig und oftmals findet Gevatter Tod statt eines Klienten nur einen Zettel mit der Aufschrift "Habe noch etwas wichtiges zu erledigen, schau bitte in 10 Jahren nochmal rein!" vor.
Und so kommt es schon mal vor, dass Tiefenbacher die 110 Jahre locker überschreiten. Der Nachteil daran ist allerdings, dass dieses gesegnete Alter oftmals hinderliche Unglücksfälle mit sich bringt. Häufig passierte es, dass es den Stadtältesten gerade dann erwischte, wenn er gerade eine Stimmauszählung oder einen brillianten Vorschlag bekanntmachen wollte.
Also verabschiedeten die Tiefenbacher sich recht schnell von diesem System und beschlossen etwas auszuprobieren, was der Weltreisende Haderlump Rückenwind aus einem Land weit über dem Meer mitgebracht hatte. Dabei handelte es sich um eine Regierungsform eines Volkes, welches große Städte mitten im tiefsten Dschungel errichtet hatte und dessen reiche Goldschätze laut Rückenwind legendär wären. Dummerweise erforderte diese Regierungsform einmal monatlich ein Menschenopfer, um den Grundstein für eine gute Ernte und die Gesundheit des Volkes im nächsten Monat zu legen.
Da die Tiefenbacher allerdings um die Verschlagenheit der Familie Rückenwind wussten und Haderlump eigentlich nur auf Weltreisen war, weil er ständig vor irgendeinem seiner betrogenen Opfer auf der Flucht war, legten sie prompt und für den armen Haderlump völlig unerwartet, selbigen auf den Altar und opferten ihn.
Was soll man sagen, der nächste Monat fiel buchstäblich ins Wasser, durch den ständigen Regen litten die Tiefenbacher an Schnupfen und statt eines Denkmals begrub man den unglücklichen Haderlump Rückenwind zusammen mit seiner seltsamen Regierungsform und versenkte ihn feierlich im tiefen Bach, der wegen der Regenfälle gerade wieder besonders schnell floss und den armen Haderlump mit viel Rückenwind davon trug.
In den nächsten Jahrzehnten probierten die Tiefenbacher viel aus, die Monarchie, die Anarchie, die Polygamie... oh, moment, falsche Geschichte...
Interessant wurde es, als zwei durchreisende, anscheinend leicht verwirrte Gestalten sich in Tiefenbach zur Rast niederließen und den Bürgern ihre politischen Lehren zu Gehör brachten. Sie sprachen von der großen Ungerechtigkeit eines vorgeblich freien Marktes, vom schädlichen Einfluss des Kapitals auf den Menschen und von der Korruption der Staatsdiener, die sich als Beamte betitelten.
Mit glühenden Worten lobten sie die Arbeiter und Bauern, sie preisten die Arbeit von vom Volk gewählten Funktionären und gaben bekannt, dass es das Beste sei, wenn alles zu gleichen Teilen dem Volk gehöre.
Die Tiefenbacher lauschten gespannt den Worten und beschlossen, diese neuerlichen Regierungsformen, die je nach Auslegung als Kommunismus oder Sozialismus bezeichnet wurden, einmal zu testen. Als jedoch zwei Tage später einer der beiden, der mit dem großen Rauschebart, bei Bauer Rübenknecht einen Sack Kartoffeln im Namen des Volkes konfiszieren wollte, jagte dieser sie mit gezielten Prügeln seines volkseigenem Dreschflegels vom Hof.
Auch andere produzierendere Bürger des Städtchens kamen mit dem neuen System nicht zurecht und so wurden die beiden Hobbypolitologen zunächst mit volkseigenem Teer übergossen, dann durch die volkseigene Suppenhuhnzuchtgenossenschaft gejagt und unter allgemeinem Jubel und Fahnen schwenken auf einem Holzbalken gefesselt dem tiefen Bach zum Abtransport übergeben.
In Tiefenbach wurden Marx und Engels danach nie wieder gesehen, allerdings geht das Gerücht, sie hätten weit im Osten später noch eine große Karriere gemacht.
Die Tiefenbacher allerdings gaben nicht auf, sie suchten weiter nach Regierungsformen, die ihnen Ansprüchen genügen würden. Und sie probierten noch vieles aus, was jedoch nicht immer so recht funktionierte. So scheiterte die Diktatur daran, dass sich keiner für den Posten des despotischen Tyrannen fand, nachdem man bei Shakespeare das Wort ?Tyrannenmord? aufgegriffen hatte.
Auch der Polizeistaat funktionierte nicht so richtig, weil die Tiefenbacher Polizei zu der Zeit von der Familie Rückenwind unterwandert war (man erinnere sich an Haderlump Rückenwind) und diese nicht sehr ambitioniert an der Verfolgung staatsfeindlicher Aktivitäten arbeitete.
Als im umgebenden Deutschland der Nationalsozialismus groß im Kommen war, schauten die Tiefenbacher sich selbstverständlich auch diesen an. Er wurde allerdings verworfen, noch bevor auch nur ansatzweise ein Versuch beschlossen werden konnte. Im Tiefenbacher Stadtarchiv kann man die Begründungen der Ablehnungen im Protokoll der damaligen Sitzung nachlesen:
Also wurde der Nationalsozialismus ersatzlos verworfen und weitergesucht.
Nach dem zweiten Weltkrieg, vor dem Tiefenbach sich dadurch gedrückt hatte, dass es sich formal zu einer schweizer Kolonie erhob und sich damit für neutral erklärte, befreite man sich vom theoretischen Joch der alpinen Eidgenossen und revoltierte gegen die nicht vorhandene schweizer Kolonialbesatzung.
Nach den Tiefenbacher Befreiungskriegen, die so lange dauerten, bis der Stadtarchivar die entsprechenden improvisierten Schriftstücke herausgesucht hatte, also ungefähr 10 Minuten, wurde der Sieg über die Schweiz verkündet und Tiefenbach rief den unabhängigen demokratisch-sozialistisch-kapitalistischen Sozialfreistaat aus.
Man erklärte sich neutral, trat den Vereinten Nationen bei, erklärte sich als nicht kommunistisches Entwicklungsland und genießt seither die Freuden, ungeteilter Entwicklungshilfe aus mindestens 12 freundlich gesinnten, westlichen Staaten. Die Tiefenbacher leben dadurch in gesundem Wohlstand und haben ein funktionierendes soziales Netz und das ohne übermäßige Steuern zahlen zu müssen.
Nur eine richtige Regierungsform, die suchen die Tiefenbacher noch immer.
Also bekam er bei der Besichtigung des Durchbruchs zunächst nasse Füße, dann feuchte Augen und schließlich einen Nervenzusammenbruch, bevor er ertrank. Seine letzten Worte waren:
»Mich deucht, den Abfluss hätte ich vielleicht doch nicht einsparen sollen.«
Und so fand der zweite Adelige, nach dem kühnen Raubritter Kasimir von Knutendresch, im tiefen Bach sein feuchtes Grab.
Die Tiefenbacher standen allerdings jetzt vor einem Problem: sie hatten keine Regierung mehr, denn der gute Adi war nicht nur strohdoof, sondern zudem auch noch so hässlich, dass ihn nicht einmal eine seiner Cousinen zum Mann nehmen wollte. In aller Eile beriefen die Tiefenbacher eine Bürgerversammlung ein, in der über das zukünftige Wohl der Stadt und über eine mögliche neue Regierung verhandelt werden sollte.
Eine Vereinigung mit einem der angrenzenden Fürstentümer oder Königshäuser kam schon mal nicht in Frage. Schließlich hörte man von durchreisendem Volk genug über die hohen Steuern und die unflexiblen Herren anderer Reiche, die ihrem Volk teilweise sogar das Lesen und Schreiben untersagten.
Also beschlossen die Tiefenbacher, dass sie selbst etwas herumprobieren müssten, um verschiedenste Regierungsformen anzutesten. Außerdem legten sie das erste Tiefenbacher Stadtgesetz fest, nach dem nur ein gebürtiger Tiefenbacher das Oberhaupt der Stadt sein dürfte.
Als erstes probierten die Tiefenbacher ein System, welches die Forscher der Fakultät für theoretisierte Geschichte an der Freigemauerten Universität Tiefenbach in alten germanischen Aufzeichnungen fanden: das System des Ältestenrats. Nach den Überlieferungen wurde ein Rat aus den 10 ältesten Männern der Stadt gegründet, die dann gemeinsam über das Wohl der Stadt entscheiden sollten. Aber dieses System wies bereits nach kurzer Zeit markante Fehler auf.
Häufig traten die Ältesten für wichtige Entscheidungen zusammen und diskutierten Stunden und Tage lang über das für und wieder, bis sie irgendwann feststellten, dass sie in Früher war alles besser-Feststellungen abgeschweift waren und schließlich nach Tagen vor die voll Spannung wartenden Bürger traten um zu erklären:
»Ähm, könnte uns bitte jemand sagen, worum es ging? Wir haben es irgendwie vergessen.«
Tja, auch im alten Tiefenbach war die Demenz schon ein echtes Problem
Aber auch das teilweise extrem hohe Alter selbst erwies sich als tückisch. Tiefenbacher sind hartnäckig und oftmals findet Gevatter Tod statt eines Klienten nur einen Zettel mit der Aufschrift "Habe noch etwas wichtiges zu erledigen, schau bitte in 10 Jahren nochmal rein!" vor.
Und so kommt es schon mal vor, dass Tiefenbacher die 110 Jahre locker überschreiten. Der Nachteil daran ist allerdings, dass dieses gesegnete Alter oftmals hinderliche Unglücksfälle mit sich bringt. Häufig passierte es, dass es den Stadtältesten gerade dann erwischte, wenn er gerade eine Stimmauszählung oder einen brillianten Vorschlag bekanntmachen wollte.
Also verabschiedeten die Tiefenbacher sich recht schnell von diesem System und beschlossen etwas auszuprobieren, was der Weltreisende Haderlump Rückenwind aus einem Land weit über dem Meer mitgebracht hatte. Dabei handelte es sich um eine Regierungsform eines Volkes, welches große Städte mitten im tiefsten Dschungel errichtet hatte und dessen reiche Goldschätze laut Rückenwind legendär wären. Dummerweise erforderte diese Regierungsform einmal monatlich ein Menschenopfer, um den Grundstein für eine gute Ernte und die Gesundheit des Volkes im nächsten Monat zu legen.
Da die Tiefenbacher allerdings um die Verschlagenheit der Familie Rückenwind wussten und Haderlump eigentlich nur auf Weltreisen war, weil er ständig vor irgendeinem seiner betrogenen Opfer auf der Flucht war, legten sie prompt und für den armen Haderlump völlig unerwartet, selbigen auf den Altar und opferten ihn.
Was soll man sagen, der nächste Monat fiel buchstäblich ins Wasser, durch den ständigen Regen litten die Tiefenbacher an Schnupfen und statt eines Denkmals begrub man den unglücklichen Haderlump Rückenwind zusammen mit seiner seltsamen Regierungsform und versenkte ihn feierlich im tiefen Bach, der wegen der Regenfälle gerade wieder besonders schnell floss und den armen Haderlump mit viel Rückenwind davon trug.
In den nächsten Jahrzehnten probierten die Tiefenbacher viel aus, die Monarchie, die Anarchie, die Polygamie... oh, moment, falsche Geschichte...
Interessant wurde es, als zwei durchreisende, anscheinend leicht verwirrte Gestalten sich in Tiefenbach zur Rast niederließen und den Bürgern ihre politischen Lehren zu Gehör brachten. Sie sprachen von der großen Ungerechtigkeit eines vorgeblich freien Marktes, vom schädlichen Einfluss des Kapitals auf den Menschen und von der Korruption der Staatsdiener, die sich als Beamte betitelten.
Mit glühenden Worten lobten sie die Arbeiter und Bauern, sie preisten die Arbeit von vom Volk gewählten Funktionären und gaben bekannt, dass es das Beste sei, wenn alles zu gleichen Teilen dem Volk gehöre.
Die Tiefenbacher lauschten gespannt den Worten und beschlossen, diese neuerlichen Regierungsformen, die je nach Auslegung als Kommunismus oder Sozialismus bezeichnet wurden, einmal zu testen. Als jedoch zwei Tage später einer der beiden, der mit dem großen Rauschebart, bei Bauer Rübenknecht einen Sack Kartoffeln im Namen des Volkes konfiszieren wollte, jagte dieser sie mit gezielten Prügeln seines volkseigenem Dreschflegels vom Hof.
Auch andere produzierendere Bürger des Städtchens kamen mit dem neuen System nicht zurecht und so wurden die beiden Hobbypolitologen zunächst mit volkseigenem Teer übergossen, dann durch die volkseigene Suppenhuhnzuchtgenossenschaft gejagt und unter allgemeinem Jubel und Fahnen schwenken auf einem Holzbalken gefesselt dem tiefen Bach zum Abtransport übergeben.
In Tiefenbach wurden Marx und Engels danach nie wieder gesehen, allerdings geht das Gerücht, sie hätten weit im Osten später noch eine große Karriere gemacht.
Die Tiefenbacher allerdings gaben nicht auf, sie suchten weiter nach Regierungsformen, die ihnen Ansprüchen genügen würden. Und sie probierten noch vieles aus, was jedoch nicht immer so recht funktionierte. So scheiterte die Diktatur daran, dass sich keiner für den Posten des despotischen Tyrannen fand, nachdem man bei Shakespeare das Wort ?Tyrannenmord? aufgegriffen hatte.
Auch der Polizeistaat funktionierte nicht so richtig, weil die Tiefenbacher Polizei zu der Zeit von der Familie Rückenwind unterwandert war (man erinnere sich an Haderlump Rückenwind) und diese nicht sehr ambitioniert an der Verfolgung staatsfeindlicher Aktivitäten arbeitete.
Als im umgebenden Deutschland der Nationalsozialismus groß im Kommen war, schauten die Tiefenbacher sich selbstverständlich auch diesen an. Er wurde allerdings verworfen, noch bevor auch nur ansatzweise ein Versuch beschlossen werden konnte. Im Tiefenbacher Stadtarchiv kann man die Begründungen der Ablehnungen im Protokoll der damaligen Sitzung nachlesen:
- Adolf Hitler war ihnen als Führer viel zu klein und seine ständige Brüllerei und seine undeutliche Aussprache wurden als unpassend festgestellt.
- Rot und weiß hielten die Tiefenbacher für eine unvorteilhafte Farbe für eine Nationalflagge. Sie fanden lila und blau käme besser an und das Hakenkreuz wäre nur aus einigen asiatischen Kulturen abgekupfert.
- Braune Uniformen würden schäbig wirken, ihnen wäre ein sanftes grün lieber gewesen.
- Das Komitee Schönheit für alle fand, die schwarzen SS-Uniformen würden dick machen und hätte lieber ein schönes weiß oder ein zartes rosa bevorzugt. Außerdem fanden sie die Totenköpfe grässlich und wollten lieber gekreuzte Hähnchenschenkel als Banner haben.
- Und schließlich waren da noch die politischen Ziele, die den Tiefenbachern nicht schmeckten. Da Gott in Tiefenbach wohnte, kamen religiöse Verfolgungen schonmal nicht in Frage. Auch eine Expansion nach Osten oder Westen behagte den Tiefenbachern nicht. Sie hatten weder Interesse am Münsterland, noch an Hessen oder Niedersachsen.
Also wurde der Nationalsozialismus ersatzlos verworfen und weitergesucht.
Nach dem zweiten Weltkrieg, vor dem Tiefenbach sich dadurch gedrückt hatte, dass es sich formal zu einer schweizer Kolonie erhob und sich damit für neutral erklärte, befreite man sich vom theoretischen Joch der alpinen Eidgenossen und revoltierte gegen die nicht vorhandene schweizer Kolonialbesatzung.
Nach den Tiefenbacher Befreiungskriegen, die so lange dauerten, bis der Stadtarchivar die entsprechenden improvisierten Schriftstücke herausgesucht hatte, also ungefähr 10 Minuten, wurde der Sieg über die Schweiz verkündet und Tiefenbach rief den unabhängigen demokratisch-sozialistisch-kapitalistischen Sozialfreistaat aus.
Man erklärte sich neutral, trat den Vereinten Nationen bei, erklärte sich als nicht kommunistisches Entwicklungsland und genießt seither die Freuden, ungeteilter Entwicklungshilfe aus mindestens 12 freundlich gesinnten, westlichen Staaten. Die Tiefenbacher leben dadurch in gesundem Wohlstand und haben ein funktionierendes soziales Netz und das ohne übermäßige Steuern zahlen zu müssen.
Nur eine richtige Regierungsform, die suchen die Tiefenbacher noch immer.
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